Den Satz „Kunst ist keine Demokratie“ kenne ich von Oliviero Toscani. Es ist ein Satz, dem ich wenig Aufmerksamkeit schenkte, wenn auch er sich in meinem Kopf eingebrannt hat. Ich habe über diese Aussage nicht nachgedacht; sie ging im Rest der Informationen (ich glaube, es war bei Photo for Life) unter.
Erst vor Kurzem habe ich den Titel „Die Fotografie ist keine Demokratie“ bei dem YouTuber und Fotografen Florian Azar gesehen, und mir sind sofort wieder Toscanis Worte eingefallen. In dem Moment habe ich begonnen, über diese Worte, die eigentlich selbstredend sind, nachzudenken.
Die Kunst ist die Ausdrucksform eines Künstlers. Der Künstler möchte mit seinen Werken – in welcher Form auch immer – seine Meinung zu einem Thema zum Ausdruck bringen. In Oliviero Toscanis Fall war es damals die Benetton-Werbung, die er als Präsentationsform nutzte, um auf die Probleme der Gesellschaft aufmerksam zu machen (Krieg, Hautfarbe, Magersucht etc.). Der Betrachter erkennt das Problem auf den ersten Blick, und es regt ihn zum Nachdenken an.
Ein anderes Beispiel, das durch die Medien ging, war das Kunstwerk von Maurizio Cattelan, der eine Banane an die Wand klebte. Ich habe in meiner eher kurzen Recherche nicht herausgefunden, was er damit bezwecken wollte, aber man kann es z. B. so interpretieren, dass man darüber nachdenken sollte, was Kunst eigentlich ist, wie sie zur Kunst wird und wer überhaupt an solch einer Kunst interessiert ist. Die Frage, die sich vermutlich die meisten stellen: Warum zur Hölle bezahlt jemand 6,2 Millionen Dollar für ein Kunstwerk, bei dem man sogar die Banane als auch das Klebeband immer wieder austauschen muss? Was hat man da eigentlich gekauft? Im Grunde nur eine Idee. Die Idee hängt noch bis zum 2. Februar 2027 in der Ausstellung Dimanche sans fin im Centre Pompidou-Metz (Frankreich).
Hier wirken die Worte: „Kunst ist keine Demokratie.“
Wer auch immer mag (ich zähle mich dazu), kann diese Form der Kunst für irrsinnig halten, noch mehr dafür, 6,2 Millionen Dollar dafür zu bezahlen; allerdings gibt es Menschen, die so eine Form von Kunst wollen. Ob das dafür da ist, Aufmerksamkeit zu generieren, oder ob ein wirkliches Interesse an der Banane und dem Klebeband an der Wand besteht, ist eine andere Sache. Wer sich das an die Wand hängt, der muss jemanden beauftragen, der regelmäßig die Banane mit dem Klebeband tauscht sowie die Stelle vermutlich immer wieder ausmalt oder reinigt. Ich vermute mal, wem das 6,2 Mille wert ist, dem wird der Mitarbeiter, der dieses Kunstwerk betreut, auch nicht zu teuer sein.
Wie auch immer, man kann seine Meinung über ein Kunstwerk haben, man muss auch nicht alles verstehen, aber Kunst ist eben keine Demokratie. Kunst ist eine Form des Ausdrucks mit mehr oder weniger keinen Einschränkungen.
Wenn ich meine Fotos mache, dann gibt es zumindest niemanden, der mir in meine Ideen hineinreden kann (außer bei einer Zusammenarbeit mit Model und Visagistin). Natürlich haben wir Einschränkungen seitens der Gesetze und der Ethik.

Kann man das schon als Kunst bezeichnen?