Nach dem Kamerakauf: Setz die Scheuklappen auf!

Meine erste DSLR war die Nikon D3000 mit einem 18–55mm, dem klassischen Kit-Objektiv. Dank meines Interesses an der Fotografie (genau genommen wurde ich mit einem Virus infiziert) habe ich zahlreiche Bücher gelesen und viele Videotrainings angeschaut. Dabei habe ich viel Equipment von anderen Fotografen gesehen – und somit hat es nicht lange gedauert, bis die D3000 gegen eine Nikon D300s ersetzt wurde. Auch dies hielt nicht lange an, und die D300s wurde gegen eine Nikon D700 ausgetauscht. Diese habe ich immerhin ein paar Jahre verwendet und später mit der Nikon D800 ergänzt.

Das Ganze spielte sich in einem Zeitraum von ca. fünf Jahren ab, bis ich 2014 – ich glaube, es war eher 2015 – alles gegen eine Fuji X-T1 ausgetauscht habe. 2016 folgte dann die Fuji X-T2, die ich bis 2025 genutzt habe. Anfang 2025 habe ich mir die Fuji X-H2 geholt, ich wollte mal etwas neues ausprobieren. Die X-T2 war sozusagen meine Daily. Ich habe mir dann so gegen Mitte 2025 die X-T5 geholt, die dann die X-T2 ablösen sollte. Das habe ich erst geschafft, als ich die X-T2 verkaufte und gemerkt habe, um wie viel besser die X-T5 doch tatsächlich ist. Anfang 2026 kam dann die X-E5 dazu, nachdem die Preise etwas gefallen waren; die X-T5 ist mir als "Immer-dabei-Kamera" dann doch etwas zu groß. Die X-E5 und die X-T5 sind meine beiden Favoriten, die X-H2 ist eine schöne Kamera aber die ich realistisch gesehen eigentlich nicht benutze. Sie hat nach ca. einem Jahr etwas über 1200 Auslösungen.

Was hier deutlich zu erkennen ist: Es gibt ein eindeutiges "Haben-wollen"-Problem. Immer wenn ich mich mit den Nachfolgemodellen oder – speziell bei Fuji – mit den Modellen anderer Serien befasse, finde ich Argumente, warum ich dies oder jenes gerne hätte und eventuell auch brauchen könnte. So hat etwa die Nikon Zf mein Interesse geweckt: ein Vollformatsensor und die f/1.4-Objektive (35, 50, 85mm), die preislich eigentlich fair sind. Ich bin stark verleitet, diesen Weg zu gehen, allerdings macht das gar keinen Sinn. So gerne ich offenblendig fotografiere, so klar ist mir auch, dass der Unterschied zwischen APS-C (Crop) und dem sogenannten Vollformat gar nicht so groß ist. Bei High-ISO gibt es in der Regel noch einen minimalen Unterschied, bei der Schärfe hingegen kaum noch.

Ich kann mich noch erinnern, als ich die D700 und die D800 verglichen habe: Die D700 mit 12 MP und die D800 damals mit 36 MP. Wenn man dann in Lightroom auf 100 % herangezoomt hat, war das Ergebnis ernüchternd. Allerdings kann man das so gar nicht vergleichen. Die D800 war damals knackscharf, aber eben eine Diva: Wegen der hohen Megapixel-Zahl wurde nicht jedes Foto scharf – genau genommen kam es recht schnell zu Mikroverwacklungen.

Ein Vergleich zwischen einer Nikon Zf und einer Fuji muss daher fair bleiben, und ich bin mir sicher, dass der Unterschied nicht so gravierend ist. Das war er damals zwischen der D700/D800 und der X-T1 auch schon nicht. Ein weiterer Nachteil ist die Größe der Kamera und der Objektive. Ich weiß noch genau, dass ich früher einen riesigen Fotorucksack und eine Fototasche hatte, die allein mit Kameras, Akkus, Speicherkarten, zwei Blitzen und Objektiven gefüllt war, wenn ich auf einer Hochzeit auftauchte. Heute bringe ich weit mehr in weniger Stauraum unter, und meine Handgelenke danken es mir ebenfalls.

Eine Sache ist besonders wichtig und sollte vor jedem dieser emotionalen "Haben-wollen"-Momente verinnerlicht werden: Die "alten Meister" hatten oft nicht mehr als eine Kamera und vielleicht ein bis vielleicht zwei drei Objektive – und haben damit Fotos gemacht, die bis heute in Ausstellungen zu finden sind.

Daher mein Spruch: Nach dem Kamerakauf: Setz die Scheuklappen auf.

Ich weiß, dass ich in den nächsten Wochen und Monaten noch ein paar neue AF-Objektive anschaffen, aber auch einige meiner aktuellen AF- und MF-Linsen verkaufen werde. Mein Ziel ist es, bis auf wenige Ausnahmen rein auf Fuji-Objektive umzusteigen. In den meisten Fällen vermisse ich bei Drittanbietern einfach den Blendenring, oder sie sind mir persönlich zu wuchtig (wie die Viltrox f/1.2 Objektive zum Beispiel).

Alles in allem wollte ich damit sagen: Wenn du dich für etwas entschieden hast – egal ob neu oder gebraucht –, schau dich nicht ständig nach neuem Equipment um, sondern nutze das, was du hast. Zu viel Auswahl ist im Übrigen auch nicht gut; sie nimmt einem die Entscheidungsfreudigkeit und macht den Rucksack nur unnötig schwer. Ich weiß, wovon ich schreibe.

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